„Patienten-Schulungen sind enorm wichtig!“

Dr. Christina Hofer-Dückelmann MSc aHPH

Dr. Christina Hofer-Dückelmann MSc aHPh

Dr. Christina Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh ist klinische Pharmazeutin im St. Johanns Spital (SJS) der Salzburger Landeskliniken (SALK) und hat zum Thema Herzschwäche an der MedUni Wien promoviert. Bereits seit 15 Jahren hält sie für Patienten mit Herzschwäche Schulungen ab und hat sich während ihrer Laufbahn viel mit dem Thema Adhärenz („Behandlungstreue“) und Patientenschulung beschäftigt. Durch ihre Schulungen hat sie seit 2002 rund 900 Patienten erreicht und hält pro Jahr ca. 36 Schulungen ab. Die Schulungen sind ein kostenloses Service der Landesapotheke am SJS.

Sie halten regelmäßig Schulungen zum Thema Herzschwäche für Betroffene ab – in welcher Funktion machen Sie dies?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Als klinische Pharmazeutin. Ich habe mit der 2. Medizinischen Abteilung und einem Oberarzt die Herzinsuffizienz Ambulanz mitaufgebaut und seitdem auch mitgearbeitet.

Warum finden Sie Herzschwäche-Schulungen sinnvoll?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, ist eine chronische Erkrankung mit einer sehr großen Verbreitung, sie betrifft sehr viele Menschen. Dennoch ist zu wenig Wissen über diese Erkrankung vorhanden. Schulungen, und das dadurch erlangte Wissen, können viel zum Erfolg und Verlauf der Krankheit beitragen und so auch die Lebensqualität steigern. Außerdem werden dem Gesundheitssystem dadurch Kosten erspart, weil es beispielsweise durch ein frühzeitiges Erkennen einer Verschlechterung zu weniger Krankenhausaufenthalten kommen kann.

Wie wird bei einer Schulung vorgegangen und welche Inhalte besprechen Sie?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Zunächst wird die Funktionsweise des gesunden Herzens erklärt. Anschließend werden die Veränderungen bei einem durch Herzschwäche erkrankten Herz besprochen. Als nächstes versuche ich herauszufinden, warum und wie die einzelnen Personen betroffen sind, indem wir über die Gründe, die auslösenden Faktoren, die Symptome, und die Therapie sprechen. Ich gehe auf jeden einzelnen Patienten und seine Krankheitsgeschichte ein, um z.B. herauszufinden, wer Bluthochdruck hat. Begrifflichkeiten wie „Auswurffraktion“ werden erklärt und im Kontext der Arztbriefe besprochen. Ich diene hier als eine Art „Dolmetscher“ zwischen Arzt und Patient. Auch die einzelnen Medikamente werden genau erläutert, beispielsweise warum wer welches Medikament nehmen sollte und wie oft. Danach wird das Thema Lebensführung behandelt. Am Ende gibt es einen Test mit den wichtigsten Fragen zur Schulung.

Idealerweise besteht die Gruppe aus 3-5 Betroffenen. Wären es mehr, könnte nicht so individuell auf jeden einzelnen eingegangen werden.

Benötigen die Betroffenen ein Vorwissen? Dürfen auch Angehörige teilnehmen?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Vorwissen wird keines benötigt.
Angehörige sind sehr gerne gesehen. Einige Themen können auch mitbetreuende Angehörige betreffen, z.B. wenn die Gattin des Patienten regelmäßig die Medikamente einschachtelt. Somit ist es auch für sie interessant und wichtig zu wissen, welche Medikamente ihr Mann derzeit nimmt und warum. Andere nehmen auch Angehörige als Dolmetscher mit, um die Sprachbarriere zu überwinden. In zweieinhalb Stunden werden viele Themen durchdiskutiert und vier Ohren hören mehr als zwei.

Gibt es Folgetermine?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Normalerweise nicht. Der Stoff wird in einem einmaligen Termin durchgenommen. Aber wenn die Patienten wollen, können sie natürlich gerne noch ein weiteres Mal kommen.

Werden Unterlagen zur Verfügung gestellt?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Am Ende des Gesprächs gibt es einen Test, den sich die Zuhörer mitnehmen können. Zudem geben wir eine Übersicht zum Thema Herzschwäche, Medikationen und Lebensführung mit und die Broschüre „Leben mit Herzschwäche“ sowie einen Blutdruckpass.

Wo kann ich mich anmelden, wenn ich in Salzburg lebe?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Einerseits, wenn Sie Patient auf der Station der Universitätsklinik für Innere Medizin II im SJS sind und andererseits über die Herzinsuffizienz Ambulanz.

Was verbessert sich Ihrer Einschätzung nach durch Ihre Schulungen?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Das Verständnis der Patienten für Ihre Erkrankung und damit die Möglichkeit, selbst aktiv beim Therapieerfolg mitzuwirken. Außerdem auch die Bereitschaft, die Medikamente in der Dosierung zu steigern, um die Zieldosis laut internationaler Studien zu erreichen. Wenn die Patienten wissen, warum sie etwas machen sollen und wie sinnvoll dies ist, machen sie es auch gerne.

Nun zu unserer letzten Frage: Sollten solche Schulungen auch von anderen Institutionen angeboten werden?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Besonders für Hausärzte wäre es sehr wichtig, dass solche Schulungen gefördert und zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund des hohen Zeitaufwandes ist es häufig nicht möglich, selbst Schulungen durchzuführen. Für die Patienten wäre es aber von großer Bedeutung. Sie bieten als Pharmaunternehmen ja auch solche Schulungen an – wenn so etwas in guter Qualität und ohne kommerzielle Hintergedanken gemacht wird, ist das auf jeden Fall sehr sinnvoll!
Auch eine Awareness-Kampagne über z.B. Plakate zu diesem Thema wäre sinnvoll z.B. „Wissen Sie, warum Sie Wasser in den Beinen haben?“

Herzlichen Dank für Ihre Zeit Frau Dr. Hofer-Dückelmann!

Sollten Sie weitere Fragen haben oder gerne die erwähnte „Leben mit Herzschwäche“ Broschüre, einen Blutdruckpass oder andere Materialien zum Thema Herzschwäche bestellen wollen, können Sie dies gerne tun unter der

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0800/203909 von Mo–Do 9:00–16:00 Uhr und Fr 09:00–13.00 Uhr.