Therapie bei Herzschwäche

Dr. Christina Hofer-Dückelmann MSc aHPH

Dr. Christina Hofer-Dückelmann MSc aHPh

Dr. Christina Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh ist klinische Pharmazeutin im Salzburger Landeskrankenhaus (SALK). Neben der Arbeit in der Landesapotheke hält sie auch regelmäßig Schulungen für Herzschwäche Patienten ab. Außerdem betreibt sie neben ihrer klinischen Tätigkeit auch eine Naturdrogerie in der Stadt Salzburg, „Botanicus Salzburg“.

Wir konnten Sie für ein Interview zum Thema „Alternative Möglichkeiten neben wichtigen Herzinsuffizienz Medikamenten“ gewinnen.

Welche Wichtigkeit haben medikamentöse Therapien bei der Erkrankung Herzschwäche?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Dem momentanen Stand der Wissenschaft zufolge sind medikamentöse Therapien bei der Herzschwäche ganz essenziell. Die medikamentöse Therapie beschützt das Herz vor sich selbst und sorgt dafür, dass der Teufelskreis, der sonst durch die Kompensationsmechanismen des Herzens bei Herzschwäche in Gang gesetzt werden, durchbrochen werden kann.

Was kann der Patient neben der regelmäßigen Einnahme der Medikamente selbst noch tun?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Es ist ganz wichtig in Bewegung zu bleiben und regelmäßig Sport zu machen. Nichts, bei dem man die Zähne zusammenbeißen und sich durchboxen muss, aber regelmäßige und auch steigerbare Aktivitäten wie Spaziergänge, Nordic Walking, Radfahren in der Ebene oder leichte Gartenarbeit sind auf alle Fälle zu empfehlen. Neben der Ausdauer ist auch leichtes Krafttraining wichtig, an das man idealerweise unter Anleitung herangeführt werden sollte.

Es gibt keine spezielle „Herzschwächediät“. Wenn aber der Appetit nachlässt, sollte man lieber öfter zu kleinen Portionen greifen, als drei Mal täglich große Portionen. Salzarme Kost ist unbedingt zu empfehlen, da Salz Wasser zurückhält und den Durst steigert.

Rauchen ist ein absolutes „No Go“ und sollte wegen seiner gefäßverengenden Wirkung unbedingt vermieden werden.

Infektionen, wie etwa Grippe oder eine Lungenentzündung, können für Herzschwäche-Patienten gefährlich werden. Hier sollte man unbedingt mit Impfungen vorbeugen. Durchfallerkrankungen können wegen dem Einfluss auf die Flüssigkeitsbilanz kritisch werden.

Das Wichtigste von allem ist ein Gefühl für seinen Körper zu gewinnen und Veränderungen in diesem Befinden zu registrieren. Sich täglich abzuwiegen und auf ein konstantes Körpergewicht zu achten ist einfach und sehr effizient. Wenn das flache Liegen aus Luftnot nicht mehr möglich ist, sollte man wissen, dass dafür Wasseransammlungen in der Lunge verantwortlich sein können. Angeschwollene Beine, Husten und Schwindel sind ebenfalls Symptome, die man beobachten und einordnen sollte.

Müssen Medikamente regelmäßig eingenommen werden oder können bei Besserung weggelassen werden?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Die regelmäßige Einnahme der Tabletten ist unbedingt erforderlich!
Nach den internationalen Richtlinien wissen wir, welche Medikamente wie einzunehmen sind und welche Zieldosen für das beste Ergebnis erforderlich wären. Diese versuchen wir zu erreichen und die Medikamente dafür sorgfältig Schritt für Schritt einzustellen. Das Herz wird mit dieser Therapie „vor sich selbst geschützt“. Wird die Therapie weggelassen, muss sich das Herz wieder selbst behelfen und gewisse Kompensationsmechanismen, wie einen erhöhten Puls oder gewisse Umbauprozesse aufnehmen. Stresshormone werden ausgeschüttet, die die Funktion des Herzens noch schlechter machen. Also bitte die Medikamente nie ohne Arztabsprache absetzen!

Was versteht man unter Therapietreue und wie wichtig ist sie?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
Die Therapietreue – „Compliance“ oder heute vielmehr auch „Adhärenz“ genannt – beschreibt das Akzeptieren und Mitarbeiten des Patienten an seiner Therapie. Wir sind davon überzeugt und auch die Literatur beweist, dass Patienten wesentlich adhärenter sind, wenn sie über ihre Medikation aufgeklärt sind und genau Bescheid wissen, warum sie was wann und wie einzunehmen haben. Die Adhärenz ist gerade bei der Herzschwäche ganz besonders wichtig, da die Verbesserung oder Stabilisierung der Herzfunktion nur mit der Unterstützung der Medikation möglich ist.

Sie arbeiten neben der Apotheke im SALK auch in einer Naturapotheke und sind Expertin traditioneller europäischer Heilmethoden (TEH) – wie ergänzen sich die beiden Methoden sinnvoll?
Dr. Hofer-Dückelmann, MSc, aHPh:
In meinen Augen ist es ein ganz großer Vorteil, die traditionellen Heilmethoden mit der Schulmedizin zu verbinden. Natürlich ist bei einer Krankheit wie der Herzinsuffizienz den Empfehlungen der Schulmedizin unbedingt Folge zu leisten. Es wäre grob fahrlässig, hier zu glauben, dass die traditionellen Heilmethoden allein diese Krankheit heilen könnten. In der Vergangenheit war Digitalis (der Fingerhut) die Standarddroge bei Herzschwäche, was sich aber durch Studien nicht halten ließ. Fingerhut wird heute bei Vorhofflimmern (einer bestimmten Art von Herzrhythmusstörung) eingesetzt. Aber die Kombination von „Wohlfühl“ und „Kopfmedizin“ bzw. die unterstützende Behandlung mit (heimischen) Heilkräutern hat für mich ein ganz besonderes Potential. So kann man zum Beispiel Weißdornpräparate unterstützend zusätzlich verwenden. Wenn sie auch in Studien keinen Einfluss auf die Mortalität zeigen, so können sie doch Beschwerden lindern. Ätherischeöldrogen wie Rosmarin und koffeinhaltige Getränke mit Guarana helfen bei Hypotonie. Aber auch die beruhigende Wirkung von Lavendel oder der „Gelassenheitspflanze“ Melisse können für herzinsuffiziente Patienten von Vorteil sein.